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Mainz/München - Karl-Heinz Rummenigge hielt sogar mehrere
Stimmkarten in die Höhe, um seine Ablehnung nachdrücklich zu
dokumentieren. Ausgerechnet der deutsche Vorzeigeklub und
Klassen-Primus Bayern München in Person seines
Vorstandsvorsitzenden votierte auf dem Außerordentlichen Bundestag
des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Mainz gegen die Pläne, im
Falle einer Liberalisierung des Wettmarktes eine eigene
Fußball-Wette einzuführen. Insgesamt 15 Gegenstimmen und 9
Enthaltungen unter den 253 Delegierten wurden verzeichnet - aber
nicht genug, um den Antrag des Liga-Verbandes abzuschmettern.
Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte mit
markigen Worten Werbung für den Antrag der Liga gemacht: "Es ist
nicht akzeptabel, dass andere verdienen und uns ausnutzen."
Rummenigge, eigentlich zusätzlichen Einnahmen für den Profi-Fußball
nie abgeneigt, ließ sich davon dennoch nicht umstimmen.
"Ich könnte mir vorstellen, es ging ihm alles zu schnell",
sagte DFB- und Liga-Verbands-"Vize" Wolfgang Holzhäuser zur
ablehnenden Haltung des Bayern-Bosses. Zudem hatte es einen
peinlichen Fauxpas bei der Antragstellung gegeben, denn der Passus,
wonach laut Grundlagenvertrag zwischen DFB und Deutscher Fußball
Liga (DFL) im Falle einer Liberalisierung des Wettmarktes zunächst
eine Zusammenarbeit mit der staatlichen Sportwette Oddset
angestrebt werden soll, war auf sonderbare Weise auf den kurzen
Wegen in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt/Main verloren
gegangen. Kurzfristig musste eine Neufassung erstellt werden, über
die dann auch abgestimmt wurde. Holzhäuser: "Es handelt sich aber
nicht um eine kurzfristige Abänderung des Antrages, sondern die
Präambel war immer schon so formuliert."
Allerdings machte der Boss von Bayer Leverkusen kein Geheimnis
daraus, dass Oddset bei den 36 Profi-Klubs nicht überall wohl
gelitten ist. Oddset habe seine Monopolstellung zum Beispiel bei
Werbeverträgen schonungslos ausgenutzt. Gab es Angebote eines
privaten Wettanbieters über 400.000 Euro, ließ Oddset verkünden,
eine Vereinbarung mit diesem Konkurrenten sei verboten. Stattdessen
offerierte Oddset bescheidene 80.000 Euro für die gleiche
Werbemaßnahme.
Entscheidend wird nun sein, ob das Bundesverfassungsgericht im
Spätsommer das staatliche Monopol aufbricht oder nicht. "Oddset ist
im Augenblick der einzige in allen 16 Bundesländern erlaubte
Anbieter", sagte Oddset-Chef Erwin Horak dem
Sport-Informations-Dienst (sid), "sollte es zu einer
Liberalisierung kommen, müssen wir die Situation neu bewerten. Mit
unseren 26.000 Annahmestellen im Bundesgebiet sind wir dann
natürlich ein interessanter Partner für den Fußball." Doch wie groß
wird das Stück vom Kuchen, das DFB und DFL für sich beanspruchen?
Die Drohung, sollte es zu keiner Einigung mit dem staatlichen
Unternehmen kommen, sogar selbst eine Fußball-Wette zu
organisieren, steht immer noch im Raum. Horak dazu: "Ich kann mir
eine eigene Lizenz für den DFB nur sehr schwer vorstellen. Denn
dann müsste derjenige, der den Spielplan festlegt und die
Schiedsrichter einteilt, auf diese Spiele auch noch Wetten
festlegen."
Der Oddset-Chef verweist auf die bereits seit Jahren
bestehende Kooperation mit dem DFB, außerdem ist das Unternehmen
nationaler Förderer der WM 2006. "Dem DFB und vor allem der Liga
geht es ums Geld", äußerte Horak. Dabei haben die Länder mehr als
nur ein Mitspracherecht, wenn es um die Verteilung der Gelder geht.
Das bayrische Staatsministerium der Finanzen erinnert in diesem
Zusammenhang auch an die Auswirkungen auf den Breitensport, in den
aus Lotterien und Sportwetten bundesweit jährlich 410 Millionen
Euro fließen. Wenn die staatlichen Einnahmen aus Oddset geschmälert
werden, heißt es in einer Presseerklärung, sinken zwangsläufig auch
die staatlichen Leistungen für den Sport.
Spannend wird auch noch die Frage - vorausgesetzt es kommt zu
einer Einigung mit Oddset - wie die Einnahmen innerhalb des DFB
zwischen Profis und Amateuren verteilt werden. "Über Prozentzahlen
möchte ich mich nicht äußern", meinte Hertha-Manager Dieter Hoeneß.
Allerdings könnte es gut sein, dass auch in dieser Beziehung noch
viel Konfliktpotenzial besteht. Es gab schon häufiger Streit
zwischen Profis und Amateuren um das liebe Geld. Und der Wettmarkt
mit einem Gesamtumsatz von rund drei Milliarden Euro macht allen
den Mund wässrig ...
(sid)
Quelle: www.ksta.de 29.04.05
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