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DFB beschließt eigene Fußball-Wette  E-mail
Donnerstag, 10 August 2006

Mainz/München - Karl-Heinz Rummenigge hielt sogar mehrere Stimmkarten in die Höhe, um seine Ablehnung nachdrücklich zu dokumentieren. Ausgerechnet der deutsche Vorzeigeklub und Klassen-Primus Bayern München in Person seines Vorstandsvorsitzenden votierte auf dem Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Mainz gegen die Pläne, im Falle einer Liberalisierung des Wettmarktes eine eigene Fußball-Wette einzuführen. Insgesamt 15 Gegenstimmen und 9 Enthaltungen unter den 253 Delegierten wurden verzeichnet - aber nicht genug, um den Antrag des Liga-Verbandes abzuschmettern.

Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte mit markigen Worten Werbung für den Antrag der Liga gemacht: "Es ist nicht akzeptabel, dass andere verdienen und uns ausnutzen." Rummenigge, eigentlich zusätzlichen Einnahmen für den Profi-Fußball nie abgeneigt, ließ sich davon dennoch nicht umstimmen.

"Ich könnte mir vorstellen, es ging ihm alles zu schnell", sagte DFB- und Liga-Verbands-"Vize" Wolfgang Holzhäuser zur ablehnenden Haltung des Bayern-Bosses. Zudem hatte es einen peinlichen Fauxpas bei der Antragstellung gegeben, denn der Passus, wonach laut Grundlagenvertrag zwischen DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL) im Falle einer Liberalisierung des Wettmarktes zunächst eine Zusammenarbeit mit der staatlichen Sportwette Oddset angestrebt werden soll, war auf sonderbare Weise auf den kurzen Wegen in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt/Main verloren gegangen. Kurzfristig musste eine Neufassung erstellt werden, über die dann auch abgestimmt wurde. Holzhäuser: "Es handelt sich aber nicht um eine kurzfristige Abänderung des Antrages, sondern die Präambel war immer schon so formuliert."

Allerdings machte der Boss von Bayer Leverkusen kein Geheimnis daraus, dass Oddset bei den 36 Profi-Klubs nicht überall wohl gelitten ist. Oddset habe seine Monopolstellung zum Beispiel bei Werbeverträgen schonungslos ausgenutzt. Gab es Angebote eines privaten Wettanbieters über 400.000 Euro, ließ Oddset verkünden, eine Vereinbarung mit diesem Konkurrenten sei verboten. Stattdessen offerierte Oddset bescheidene 80.000 Euro für die gleiche Werbemaßnahme.

Entscheidend wird nun sein, ob das Bundesverfassungsgericht im Spätsommer das staatliche Monopol aufbricht oder nicht. "Oddset ist im Augenblick der einzige in allen 16 Bundesländern erlaubte Anbieter", sagte Oddset-Chef Erwin Horak dem Sport-Informations-Dienst (sid), "sollte es zu einer Liberalisierung kommen, müssen wir die Situation neu bewerten. Mit unseren 26.000 Annahmestellen im Bundesgebiet sind wir dann natürlich ein interessanter Partner für den Fußball." Doch wie groß wird das Stück vom Kuchen, das DFB und DFL für sich beanspruchen?

Die Drohung, sollte es zu keiner Einigung mit dem staatlichen Unternehmen kommen, sogar selbst eine Fußball-Wette zu organisieren, steht immer noch im Raum. Horak dazu: "Ich kann mir eine eigene Lizenz für den DFB nur sehr schwer vorstellen. Denn dann müsste derjenige, der den Spielplan festlegt und die Schiedsrichter einteilt, auf diese Spiele auch noch Wetten festlegen."

Der Oddset-Chef verweist auf die bereits seit Jahren bestehende Kooperation mit dem DFB, außerdem ist das Unternehmen nationaler Förderer der WM 2006. "Dem DFB und vor allem der Liga geht es ums Geld", äußerte Horak. Dabei haben die Länder mehr als nur ein Mitspracherecht, wenn es um die Verteilung der Gelder geht. Das bayrische Staatsministerium der Finanzen erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Auswirkungen auf den Breitensport, in den aus Lotterien und Sportwetten bundesweit jährlich 410 Millionen Euro fließen. Wenn die staatlichen Einnahmen aus Oddset geschmälert werden, heißt es in einer Presseerklärung, sinken zwangsläufig auch die staatlichen Leistungen für den Sport.

Spannend wird auch noch die Frage - vorausgesetzt es kommt zu einer Einigung mit Oddset - wie die Einnahmen innerhalb des DFB zwischen Profis und Amateuren verteilt werden. "Über Prozentzahlen möchte ich mich nicht äußern", meinte Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Allerdings könnte es gut sein, dass auch in dieser Beziehung noch viel Konfliktpotenzial besteht. Es gab schon häufiger Streit zwischen Profis und Amateuren um das liebe Geld. Und der Wettmarkt mit einem Gesamtumsatz von rund drei Milliarden Euro macht allen den Mund wässrig ... (sid)

Quelle: www.ksta.de 29.04.05

 
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